Wie Marketing und IT eine gemeinsame Basis finden
Zusammenarbeit ist in jedem Unternehmen eine Herausforderung – egal, mit welcher Abteilung. Mit manchen Teams funktioniert es reibungslos, mit anderen hakt es öfter. Vieles hängt von den beteiligten Personen ab – ob man sich versteht, Vertrauen aufbaut, dieselbe Sprache spricht. Aber in einem Unternehmen mit 2’000 oder 3’000 Mitarbeitenden kann man nicht mit jedem persönlich vernetzt sein. Deshalb muss die Zusammenarbeit auch auf professioneller Ebene funktionieren – unabhängig von Sympathien.
Eine Beziehung, die dabei besonders oft knirscht, ist die zwischen Marketing und IT. Beide sind wichtig für die Zukunft des Unternehmens, beide arbeiten mit digitalen Tools – und doch reden sie häufig aneinander vorbei. Ich bin überzeugt: Das liegt nicht am guten Willen, sondern daran, dass wir schlicht unterschiedliche Sprachen sprechen – und uns zu selten die Mühe machen, die Sprache des anderen zu verstehen.
Warum Marketing und IT so oft aneinander vorbeireden
Marketing denkt in Kundenerlebnissen, Kampagnen und Content. IT denkt in Systemen, Prozessen und Sicherheit. Das ist nicht falsch – aber es führt dazu, dass beide Abteilungen mit denselben Begriffen völlig Unterschiedliches meinen. Wenn Marketing also sagt: „Wir brauchen ein neues Tool“, hört die IT: „Noch ein System, das wir warten und absichern müssen.“ Deshalb braucht es auf beiden Seiten Übersetzungsarbeit – und jemand, der den ersten Schritt macht. In der Regel ist das das Marketing, weil es häufig etwas von der IT möchte – sei es eine neue Software, Schnittstellenanpassungen oder Support bei der Integration.
4 Tipps, wie Marketing die IT wirklich erreicht
1. In Anforderungen statt in Software denken
Der grösste Fehler: mit einem Tool-Wunsch ins Gespräch gehen. Sätze wie „Wir brauchen HubSpot“ oder „Wir wollen Salesforce Marketing Cloud“ lösen bei der IT selten Begeisterung aus. Warum? Weil IT-Abteilungen in Problemen und Lösungen denken – nicht in Einzelanwendungen. Formuliere also stattdessen die Herausforderung, die du lösen möchtest: „Wir müssen unsere Inhalte automatisiert ausspielen können.“ oder „Wir möchten Leads durch gezieltes Lead Nurturing qualifizieren.“ Dadurch öffnest du das Gespräch und gibst der IT die Möglichkeit, mitzudenken, statt nur zu reagieren.
2. Mit Use Cases Brücken bauen
Ein hervorragendes Werkzeug, um die „IT-Sprache“ zu sprechen, sind Use Cases.
Sie übersetzen Marketingziele in konkrete Prozessabläufe, die IT-Fachleute verstehen. Beispiel: „Wenn ein User zwei Blogbeiträge im Newsletter anklickt und sich drei Produktseiten anschaut, erhält der Vertrieb im CRM eine automatische Benachrichtigung.“ Solche Beispiele machen sichtbar, wie Marketing und IT gemeinsam messbaren Mehrwert schaffen – und sie zeigen der IT klar, welche Funktionen benötigt werden. Tipp: Dokumentiere Use Cases standardisiert (z. B. nach dem Muster Auslöser → Aktion → Ziel → Nutzen). Das schafft Transparenz und erleichtert spätere technische Planung.
3. In Schnittstellen denken – nicht in Silos
Ein isoliertes Tool löst selten das eigentliche Problem. Wirklich wirksam wird Marketing erst dann, wenn Systeme miteinander vernetzt sind – CRM, CMS, Marketing Automation, PIM, DAM etc. Darum:
Verschaffe dir einen Überblick über die bestehende Tool-Landschaft.
Finde heraus, welche Systeme bereits miteinander verbunden sind.
Kläre, welche Schnittstellen nötig wären, um Daten automatisiert auszutauschen.
Je besser du verstehst, wie Daten im Unternehmen fliessen, desto kompetenter trittst du in IT-Gesprächen auf – und desto grösser ist deine Chance, dass dein Projekt priorisiert wird.
4. IT frühzeitig und partnerschaftlich einbinden
Oft wird die IT erst informiert, wenn das Marketing-Projekt schon beschlossen ist.
Das ist, als würde man jemanden zum Finale eines Films einladen, ohne ihm den Anfang zu zeigen. Binde die IT von Anfang an ein – als aktives Teammitglied, nicht als Dienstleister. So kann sie Ressourcen planen, Sicherheitsanforderungen früh prüfen und mögliche technische Risiken minimieren. Das spart später enorm viel Zeit und Nerven – auf beiden Seiten.
Bonus-Tipp: Den gemeinsamen Nenner finden
IT will Sicherheit und Stabilität. Marketing will Agilität und Wachstum. Beides ist wichtig – und kein Widerspruch. Der Schlüssel liegt darin, Ziele zu verbinden:
Wenn Marketing zeigen kann, dass ein neues System Vertriebsprozesse vereinfacht oder Reporting automatisiert, steigt das Verständnis der IT und auch der Geschäftsleitung.
Fazit
Marketing und IT sind keine Gegenspieler – sie sind zwei Seiten derselben digitalen Medaille.
Wer es schafft, beide Perspektiven zusammenzubringen, kann Projekte nicht nur schneller, sondern auch strategischer realisieren.
Also:
Sprecht über Anforderungen, nicht Tools.
Definiert Use Cases.
Versteht Schnittstellen.
Bindet IT früh ein.
Dann klappt’s nicht nur beim ersten „Date“ – sondern auch in einer langfristig erfolgreichen Beziehung.