Interne Kommunikation beginnt beim CEO
Interne Kommunikation wird in vielen Unternehmen noch immer primär als Aufgabe der Kommunikationsabteilung verstanden. Genau darin liegt jedoch häufig eines der grössten Missverständnisse. Denn die Wirkung interner Kommunikation entscheidet sich selten allein über Intranetartikel, Townhalls oder Kommunikationskampagnen. Sie entscheidet sich vielmehr an der Haltung der Führung – und insbesondere an der Haltung des CEOs. Oder anders gesagt: Interne Kommunikation beginnt nicht im Intranet. Sie beginnt beim CEO.
Kommunikation wird von oben legitimiert
Innerhalb eines Unternehmens merkt man meist sehr schnell, welchen Stellenwert Kommunikation für einen CEO tatsächlich hat. Nicht in Strategiepapiere oder Leitbildern, sondern im Alltag. Zum Beispiel daran, wie intensiv sich ein CEO auf kommunikative Momente vorbereitet. Wie viel Zeit investiert er in die Vorbereitung einer Townhall? Wie sorgfältig werden Botschaften diskutiert? Wie aktiv involviert er die Kommunikationsleitung in strategische Diskussionen?
Besonders sichtbar wird die Haltung eines CEOs oft in Führungs- und Entscheidungsgremien. Wird Kommunikation dort aktiv eingebunden und als strategische Perspektive verstanden? Oder wird Kommunikation lediglich als operative Disziplin betrachtet, die Informationen im Nachgang „noch schnell“ aufbereiten soll?
Genau dort beginnt die eigentliche Legitimation interner Kommunikation. Denn wenn ein CEO Kommunikation ernst nimmt, verändert das die gesamte Organisation. Kommunikation erhält Priorität, Führungskräfte orientieren sich stärker daran und strategische Themen werden klarer eingeordnet.
Die Kommunikationsabteilung kann fehlende Führung nicht kompensieren
Viele Kommunikationsabteilungen arbeiten professionell, strukturiert und mit grossem Engagement. Trotzdem bleibt die Wirkung interner Kommunikation in manchen Unternehmen begrenzt. Der Grund dafür liegt häufig nicht bei der Kommunikationsabteilung selbst.
Wenn ein CEO Kommunikation zwar grundsätzlich „okay findet“, sie jedoch nicht aktiv vorlebt oder priorisiert, entsteht innerhalb der Organisation ein klares Signal: Kommunikation ist kein strategischer Erfolgsfaktor. Die Folgen davon zeigen sich schnell:
Strategische Themen werden nicht klar priorisiert.
Führungskräfte kommunizieren unterschiedlich oder gar nicht.
Orientierung fehlt.
Botschaften wirken austauschbar.
Veränderung verliert an Klarheit.
Die Kommunikationsabteilung kann in solchen Situationen zwar unterstützen, strukturieren und Inhalte vorbereiten. Was sie jedoch nicht ersetzen kann, ist kommunikative Führung. Denn interne Kommunikation entfaltet ihre Wirkung erst dann vollständig, wenn Geschäftsleitung, Führungskräfte und Kommunikationsabteilung dieselben Botschaften tragen und sichtbar an einem Strang ziehen. Genau dadurch entsteht innerhalb eines Unternehmens Orientierung und Vertrauen.
Mitarbeitende beobachten CEOs stärker als viele denken
Viele CEOs unterschätzen, wie stark ihre Kommunikation innerhalb der Organisation wahrgenommen wird. Dabei geht es nicht nur um grosse Auftritte oder offizielle Statements. Mitarbeitende beobachten sehr genau:
ob ein/e CEO präsent ist
wie er oder sie auf kritische Situationen reagiert
ob Dialog stattfindet
und welchen Stellenwert Kommunikation im Alltag tatsächlich hat
Denn auch fehlende Kommunikation ist Kommunikation. Ein CEO, der sich nicht aktiv Zeit für Dialog nimmt, sendet ebenfalls Botschaften – oft ungewollt. Genau deshalb spielt Sichtbarkeit eine zentrale Rolle. Mitarbeitende möchten erleben, dass Führung präsent ist, Fragen zulässt und Orientierung gibt. Nicht nur in Krisen oder Veränderungsprojekten, sondern auch im Alltag.
Besonders stark zeigt sich das in Veränderungsphasen. Unternehmen befinden sich heute permanent in Transformation – sei es durch Reorganisationen, neue Geschäftsmodelle, Digitalisierung oder kulturelle Veränderungen. Gerade in solchen Situationen entsteht bei Mitarbeitenden ein grosses Bedürfnis nach Orientierung. Und genau dort wird Kommunikation zur Führungsaufgabe.
Kommunikativ starke CEOs prägen Kultur und Veränderung
Die Wirkung eines kommunikativ starken CEOs zeigt sich nicht nur in einzelnen Kommunikationsmomenten. Sie prägt die gesamte Unternehmenskultur. Kommunikativ starke CEOs schaffen häufig:
mehr Klarheit
mehr Orientierung
mehr Vertrauen
und eine offenere Fehlerkultur
Sie sprechen kritische Themen aktiv an, schaffen Transparenz und geben auch in schwierigen Situationen Orientierung. Genau dadurch entsteht innerhalb der Organisation eine andere Dynamik. Führungskräfte nehmen Kommunikation ernster, Themen werden klarer priorisiert und Veränderung erhält mehr Akzeptanz.
Besonders entscheidend ist dabei, dass kommunikative Führung nicht nur vorgelebt, sondern auch eingefordert wird. Es reicht nicht aus, wenn ein CEO selbst gut kommuniziert. Führungskräfte müssen verstehen, dass Kommunikation Teil ihrer Führungsrolle ist, und dass dies innerhalb der Organisation auch erwartet wird.
Kommunikation ist keine Zusatzaufgabe von Führung
Die Anforderungen an Führung haben sich in den letzten Jahren fundamental verändert. Führung bedeutet heute nicht mehr nur, operative Aufgaben zu steuern oder fachliche Entscheidungen zu treffen. Führung bedeutet zunehmend:
Orientierung geben
Prioritäten schaffen
Veränderung begleiten
Unsicherheit auffangen
und Kommunikation aktiv führen
Genau deshalb ist Kommunikation heute keine Zusatzaufgabe mehr. Sie ist Kern moderner Führung. Und genau deshalb entscheidet die Haltung des CEOs so stark darüber, wie Kommunikation innerhalb eines Unternehmens gelebt wird.
Kommunikation ist Transformationskraft
Wenn CEOs interne Kommunikation unterschätzen, unterschätzen sie häufig auch deren Wirkung auf die Veränderungsfähigkeit einer Organisation. Denn Kommunikation schafft nicht nur Information. Kommunikation schafft Orientierung, Vertrauen und kulturelle Stabilität, insbesondere in Veränderungsprozessen. Oder wie es sich vielleicht am klarsten zusammenfassen lässt: Mit der Haltung der/des CEOs steht und fällt nicht nur die interne Kommunikation. Mit ihr steht und fällt häufig auch die Transformationskraft eines Unternehmens.